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Museum 2006 "Macbeth" PDF Drucken E-Mail
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"Das schottische Stück"

Unter Theaterschaffenden gibt es den Glauben, dass dieses Stück verflucht sei. Spräche man seinen Namen innerhalb eines Theaters aus, so wird die Inszenierung scheitern oder anderes Unglück wird die Gruppe ereilen. Aus diesem Grund wird das Stück gemeinhin auch nur "das schottische" genannt.

Da die Theater AG aber weiß, dass Aberglaube nur Unglück bringt, hat sie all diese Warnungen in den Wind geschlagen und die Herausforderung, Machbeth zu spielen, angenommen.

Warum aber tut man sich das an? Sollte man eine Liste von Stücken nennen, die für eine Schultheatergruppe geeignet seien, so würde Shakespeares Tragödie sicher nicht darauf auf tauchen. 30 Darsteller, zahlreiche Szenenwechsel, Mord und Totschlag und dazu noch mysthische Gestalten, die in kryptischen Botschaften das Stück voran treiben. Alles Themen, die eine Inszenierung nicht einfacher machen. Tatsache ist, dass die AG schon immer ein gesundes Selbstbewusstsein hatte und der Meinung ist, nur an seinen Herausforderung könne man wachsen.

Bereits zu Beginn der Probenarbeit schien sich der Fluch, der auf diesem Stück liegen soll, zu bewahrheiten. Unmut breitete sich bei einigen der Darsteller aus, da der Eindruck entstand, die Proben würden zunehmend verschult statt finden und der Spirit der AG sei nicht mehr der, der er mal war. Dies resultierte daraus, dass bei 30 Leuten im Ensemble, es sich nicht vermeiden lässt, gewisse Strukturen einzuführen, wie sich zum Beispiel zu melden, wenn man etwas miteilen möchte. Dies bekamen jedoch einige Ensemblemitglieder in den falschen Hals und kurz darauf warfen die ersten entnervt das Handtuch. Dies führte dazu, dass bereits nach wenigen Wochen, die ersten Umbesetzungen auf der Tagesordnung standen.

Ein weiteres Problem war die Kritik, die der Gruppe entgegen wehte, als bekannt wurde, welch größenwahnsinniges Stück ausgewählt wurde. Da hörte man nichts elten von Freunden oder Kollegen, dass man sich doch im Stück arg vergriffen hätte und besser die Finger von einer Tragödie lassen solle. Dies sei nichts für eine Schul-AG und außerdem sei unser MEtier doch die Komödie - kurzum: Schuster bleib bie deinen Leisten.

Ein weiterer Aspekt, der die Probenarbeit zunehmend stressig werden ließ, war die Tatsache, dass auf 30 Darsteller in dieser Saison lediglich zwei Leitungsmitglieder kam, von denen einer auch noch in der Schlussphase seines Referendariats war. Harri verweilte während des Jahres im fernen Lincoln, England und genoss sein Auslandssemester.

Diese, sich addierenden, Hindernisse führten letztendlich dazu, dass der Streit, ob das Stück das richtige sei, innerhalb der Leitung im Dezember eskalierte. In dieser Phase stand schließlich die Überlegung im Raum, das Mammuthprojekt abzublasen und statt dessen ein anderes Stück bis zum Sommer zu inszenieren. Zum Glück kamen dann die Weihnachtsferien, die halfen, die Wogen wieder zu glätten und im Januar einigte man sich, die Zähne zusammen zu beißen und das Projekt zu einem, hoffentlich guten, Ende zu bringen.

Im Januar bekam die AG dann Unterstützung durch Franz-Josef Dieken, einem Hamburger Schauspieler, der unserer Truppe in einem Workshop noch mal die nötige Motivation mit auf den Weg gab.

Von da an ging es dann steil bergauf, wobei die Angst, zu scheitern, nie ganz aus den Köpfen verschwinden wollte.

Die Inszenierung war dann auch stark modernisiert, wobei die Hauptdarsteller durchweg in klassischen Kostümen auftraten. Jedoch schrieb die Leitung eine Rahmenhandlung, die durch das Stück führen sollte und den mitunter schweren Stoff, auflockerte. Es wurde eine Art Moderator eingeführt, der aus dem Publikum die Bühne betrat und sich als Banker oder Manager zu erkennen gab und, wie Macbeth, nach Macht strebte und bereit war dafür auch über "Leichen" zu gehen. Am Ende scheitert er, genau wie die Hauptperson, und bot damit eine Interpretationsgrundlage für den klassischen Stoff.

Die Hexen fielen ebenfalls aus dem sonst klassischen Personal heraus, indem sie als Vamps auftraten. Sie sprachen Ihre Texte in Englisch und verkörperten dadurch eine eigene Welt, jenseits der Bühnenrealität.

Um den zahlreichen Szenenwechseln Herr zu werden, wurde der Zuschauerraum in die Inszenierung eingebunden. Ein Mord geschieht direkt vor den Augen des Publikums und auch die Heerscharen tauchten im Zuschauerraum auf.

Das Bühnenbild war spartanisch gehalten, wobei ein großes Tor in jeder Szene, die Mitte der Bühne füllte. Dieses Tor war nur am Anfang im Prolog geöffnet, wobei dahinter nur helles Licht war. Im weiteren Verlauf blieb es verschlossen und öffnete sich erst wieder kurz vo Schluss, als zu Klängen von Wagner Duncans Tochter gekrönt wird. Diese, arg pathetisch wirkende Szene, wird dann aber just abgebrochen, in dem das Bühnenlich angeht und der Moderator zum letzten Mal auf die Bühne kommt und seine Geschichte und damit das Stück zu beenden.

Abgerundet wurde die Aufführung durch zwei Gaststars, die wir verpflichten konnten. Zum einen Herrn Reppert, Lehrer am Hittorf und Michael van Ahlen, der sein 1963 erstmals wieder auf der Bühne der Hittorf Theater AG stand.

Am Ende der Saison konnte die AG dann sehr zufrieden sein, diese Wagnis eingegangen zu sein. Es war eine tolle Inszenierung, wenn auch die Meinungen über die Stückauswahl weiterhin auseinander gingen. So hört man noch heute die, unbegründete, Kritik, dass das halbe Stück ja auf Englsich gewesen sei. Doch nein, Englisch sprachen wirklich nur die Hexen. Alles andere war Deutsch, wenn auch sicher nicht das einfachste.

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