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Museum 2010 "Zeugin der Anklage" PDF Drucken E-Mail
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Hiob, der Schutzheilige der AG

Herbst 2009.

Die Probenarbeit beginnt, als sich ein erstes Hindernis auftut: Die Geschworenen und der Gerichtsdiener, die von Schülern der Stufe acht gespielt werden sollen, sind, wie wir just erfahren in der heißen Phase, sprich Aulazeit, auf Klassenfahrt. Ärgerlich, jedoch für uns erfahrene Theateramateure kein Grund nervös zu werden. Schweren Herzens entscheiden wir uns, die Rollen daher zunächst unbesetzt zu lassen und uns im Januar um adäquaten Ersatz zu kümmern. Hinzu kommt, dass zwei weitere Darsteller im September, zu unseren Aufführungen, in Australien verweilen werden und ein Rückflug zur Premiere der AG einfach zu teuer wäre. Kurzerhand werden die Rollen durch Gaststars ersetzt bzw. durch Christiane, die uns inzwischen verziehen hat, in der Erstbesetzung übergangen worden zu sein und zum „Tag der offenen Tür“ im Dezember steht einer erfolgreichen Saison wirklich nichts mehr im Wege. Im Januar stößt noch Lisa zur AG, die repräsentativ die Rolle der Geschworenen übernimmt. Schließlich fanden im September dann drei erfolgreiche Aufführungen statt… wobei… nein… da fehlt noch was.

Frühjahr 2010

Drei Monate wird erfolgreich am Stück gefeilt und ein passende Kulisse ersonnen. Damit das geschlossene Bühnenbild auch auf die Bühne der Kunibergaula passt, macht sich Lucas auf den Weg, um diese zu vermessen und kehrt mit interessanten Neuigkeiten zurück. Denn zufälligerweise werden, als er die Bühne inspiziert, die alten, maroden Scheinwerfer abmontiert und folgert daraus, dass die Aula endlich eine neue Beleuchtungsanlage bekommt. Auch wenn von einigen diese Botschaft doch arg bezweifelt wird und man insgeheim hofft, dass wenigstens die alten Lampen zur Aufführung wieder hängen, geht man aber davon aus, dass wenn es Probleme mit der Technik gäbe, man schon informiert würde, denn schließlich hat man ja einen Vertrag mit dem Kreis.

Mit einem gesunden Optimismus führte man die Probenarbeit, ohne weitere Gedanken an diese kleine Anekdote zu verlieren, unbeirrt weiter. Es ging ins Sauerland, um mit der Truppe Filme für die Inszenierung zu drehen und nutzte die Zeit auch direkt um zwei Trailer zu filmen. Die Zeit zog ins Land und wie es in einem langen Theaterjahr üblich ist, nahm die Inszenierung langsam Gestalt an. Man stellte fest, dass das Stück durchaus länger ist, als erwartet – eine Fehleinschätzung, die der AG nicht zum ersten Mal passiert – und kürzt dementsprechend großzügig. Kleine Unannehmlichkeiten, die jedoch in Kauf genommen werden müssen…

Sommer 2010

Kurz vor den Sommerferien stehen schließlich die Aufführungen der Musical-AG an und wie es der Zufall will, machte das Gerücht die Runde, dass die Aufführungen im Bürgerhaus stattfinden, da es die Kunibergaula nicht mehr gebe. Wir wissen auch, dass viel erzählt wird und sollte es tatsächlich so sein, dann hätte man uns ja benachrichtigt, denn schließlich führt die Theater-AG seit 30 Jahren dort auf und zum anderen haben wir ja den Vertrag bereits im September 2009 geschlossen. Man würde uns also auf jeden Fall informieren, sollte sich da irgendwas getan haben.

In Erinnerung an die Episode mit den abgehängten Scheinwerfern rufen wir dann doch mal bei der Kunibergaula an. Nur um bestätigt zu bekommen, dass schließlich nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Was dieser Anruf schließlich ans Licht brachte und wozu er führen sollte, konnte zu dem Zeitpunkt noch keiner Ahnen.

Der Katastrophe 1. Teil

An der Kollegschule erfahren wir, dass die Lichtanlage geklaut sei und ansonsten der Kreis für weitere Informationen zuständig sei. Also kontaktieren wir diesen. Dort erfahren wir zunächst erst mal nur, dass wir ja gar keinen Vertrag hätten und es den Kreis auch gewundert hätte, da wir ja jedes Jahr sonst einen abschließen würden. Als wir daraufhin erwiderten, dass dies ja gar nicht sein könne, da wir bereits im vergangenen Jahr, wie immer, direkt bei der Kunibergaula die Aula gemietet hätten, wurde dies erneut verneint. Eventuell gab es da eine Verwechslung mit der Musical-AG, wobei man dort davon ausging, dass das eh ein und das selbe wäre. Aber wir hätten ja Post vom Kreis bekommen, die ans Hittorf geschickt wurde, in dem geschildert würde, dass die Aula zur Zeit nicht bespiel sei und sich dies wohl auch in absehbarer Zeit nicht ändern würde. Vermutlich habe daraufhin jemand aus der Leitung den Vertrag, den wir ja augenscheinlich nie hatten, storniert. Die konnte jedoch von unserer Seite verneint werden, da wir, die Leitung, doch ab und an mit einander kommunizieren. Ohne das Thema bezüglich Vertrag weiter vertiefen zu wollen, versuchten wir noch mal auf die technische Ausstattung des Raumes zurück zu kommen. Die Aula verfüge weder über Licht, noch über Vorhänge und auch sonst sei, laut Gutachter, die Bühne nicht bespielbar! Es gäbe auch keine finanziellen Mittel, diesen Zustand in irgendeiner Art und Weise zu ändern. Daraufhin fragen wir, ob es denn denkbar wäre dort aufzuführen, wenn man Scheinwerfer mieten würde. Worauf die Gegenfrage kommt, ob wir denn keine Vorhänge bräuchten. Dies verneinten wir erst mal und boten an, die Aula mal selber in Augenschein zu nehmen.

Der erste Versuch dieser Unternehmung schlägt fehl, da der Hausmeister des Berufskolleg nicht mehr für die Aula zuständig sei, sondern ausschließlich der Kreis. Im zweiten Anlauf bekommen wir dann doch noch den Schlüssel und müssen feststellen, dass nicht nur die Beleuchtung, sondern auch die Traverse für Scheinwerfer aus der Aula entfernt wurden. Dafür sind die Vorhänge noch an ihrem Platz und gehen, oh Wunder, auch durch drehen der Kurbel auf und zu. Als auch, durch Umlegen der Sicherung, Strom zu fließen scheint, ist für uns die Sache erst mal erledigt. Die Bühne genügt unseren Ansprüchen und irgendwoher werden wir auch Licht bekommen.

Der Katastrophe 2. Teil

Zwei weitere Wochen sind ins Land gezogen und die Plakate liegen druckfrisch vor. Zwei Plakate wollen wir direkt im Café Denkmal aufhängen, wo uns die nächste Hiobsbotschaft ereilt. Denn dort liegen Flyer einer Theatergruppe aus, die an unserem dritten Termin IN DER KUNIBERGAULA eine Aufführung haben. Zwar haben wir bis dato noch nichts Schriftliches vorliegen, doch ist dies nichts Ungewöhnliches, da in der Regel der finale Vertrag in den Sommerferien an das Hittorf-Gymnasium geschickt wird. Also rufen wir wieder bei der Kollegschule an, um sicher zu gehen, dass wir wirklich in deren Ordner stehen, in den wir in unserer Gegenwart im September eingetragen wurden. Dies ist jedoch nicht der Fall und warum auch die Mail, die wir an selbige Adresse geschickt haben, nicht bearbeitet wurde, werden wir wohl nie erfahren. Zum Glück kennt man uns am Kuniberg und so werden wir auch gänzlich unbürokratisch jetzt in den besagten Ordner eingetragen und wir müssen dies „nur noch“ mit dem Kreis koordinieren. Was gar kein Problem sein sollte, da besagte Theatergruppe an unserem Termin nur bis 15:00 Uhr in der Aula sei.

Ein wenig beruhigt wählen wir erneut die Nummer des Kreises, der wiederum anfängt von einem ominösen Schreiben zu reden, dass doch ans Hittorf gegangen wäre. Als wir dies abermals verneinen, wird das darauf zurück geführt, dass kein Vorname der Leitungsmitglieder vorgelgen hätte und daher der Brief nicht zugestellt werden konnte bzw. nicht versendet wurde. AHA. Ohne auf die Postwege des Kreises weiter eingehen zu wollen, einigen wir uns, dass wir einfach eine Mail fertig machen mit unseren Daten und dann sollte das alles auch funktionieren.

Die Mail, inklusive Aufführungstermine, Aufbau, Abbau, Generalprobe und einem Ausweichtermin, für den Fall, dass am 25. Die Aula doch den ganzen Tag besetzt sei, ging direkt am Folgetag raus. Die Antwort ließ auch nicht lange auf sich warten und so erfuhren wir, dass der Samstag, also der 25. , tatsächlich nicht gehen würden und wir bestätigten dann, dass wir somit den Freitag nutzen würden.

Eine weitere Woche später erfuhren wir dann, dass dies auch nicht gehen würde, da an besagtem Freitag die Generalprobe der anderen Gruppe stattfinden würde. Um allen Problemen aus dem Weg zu gehen, ziehen wir schließlich die letzte Aufführung auf den Dienstag vor und glauben es somit geschafft zu haben. Der Hinweis, dass am Termin der zweiten Aufführung Nachmittags noch ein Kindertheater in der Aula sei, stellte sich zum Glück als veraltete Information heraus.

Die Sommerferien sind zu ende und ob man es glaubt oder nicht, wir können die Aula nutzen.

Der Katastrophe letzter Teil

Als sei dies alles nicht genug gewesen, geht der Spaß direkt weiter. Zwei Wochen bis zur Premiere teilt uns eine Hauptdarstellerin mit, dass sie auf Grund von Terminen nicht spielen können wird. Kurzerhand springt Dennis ein, der die Rolle dadurch in zwei Wochen zu lernen hat. Bei der Premiere stürzt in der Pause ein Gast so unglücklich, dass ein Krankenwagen gerufen werden muss. Eine weitere Hauptdarstellerin holt sich eine Nierenbeckenentzündung und uns zittern lässt, ob sie die letzten beiden Aufführungen durchstehen wird – Eine Ersatzdarstellerin mit Textbuch war sprungbereit im Publikum. Und zu guter letzt trat eine Schauspielerin in der letzten Aufführung mit bandagierter Hand die Bühne, da sie sich einen Tag zuvor verletzt hat.

Gemeinhin gilt Macbeth als das verfluchte Stück in Schauspielerkreisen, was wir nicht bestätigen können. 2010 waren wir kurz davor Hiob als Schutzpatron der AG zu benennen.

Rückblickend können wir aber sagen, dass es ein hartes Jahr war, das uns vor eine Reihe von Herausforderungen gestellt hat, es entstanden Kosten mit denen wir nicht gerechnet hatten, Plakate und Eintrittskarten mussten mit neuen Terminen bestückt werden. Es war ein Jahr voller Steine, die wir aber Dank eines tollen Ensembles und der grandiosen Unterstützung unserer Zuschauer zu einem sehr erfolgreichen Jahr umkrempeln konnten! Drei Mal Standing Ovations haben bewiesen das es den ganzen Stress wert war. Dennoch kann die kommende Saison gerne ein wenig ruhiger verlaufen!


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