headerphoto
Werner Herwig E-Mail
buehnen
 
fotos
Werner Herwig (1938 - 2007)
 
Kurze Geschichte von Werner und der AG
 
Werner, der beruflich am Hittorf Gymnasium seine Werkstatt hatte und als Feinmechaniker-Meister für die Schulen Recklinghausens tätig war, kam 1979 zur Theater AG. In diesem Jahr inszenierte Friedrich Neugebauer zum 85jährigen Bestehen der Schule den Figaro im Ruhrfestspielhaus, die legendäre Spielstätte, zu der er 2004 mit der AG zurück kehren sollte.
Seit diesem Jahr begleitete er die AG ohne Unterbrechungen. Er baute für Eckhardt Schäfer diverse Bühnenbilder, worunter u.a. ein massiver Schaukelstuhl, für die gleichnamige Inszenierung entstand. Er baute ein "Abwasserohr" in dem der Wasserverkäufer im "guten Menschen von Sezuan" unetrschlupf fand oder einen Kamin für die Inszenierung der "Zehn kleinen Negerlein".
Mit Beginn der 90er Jahre drohte der AG das jähe aus und damit eine jahrzehnte lange Tradition zu versiegen. Unter anderem ist es Werner zu verdanken, der die damals Anfang zwanzig jährigen Bernd und Erik überedete, die AG selber in die Hand zu nehmen. "Ihr habt doch gesehen wie es geht, jetzt ist es an Euch" waren seine Worte und die AG ging mit Werner in eine neue Ära, in der ehemalige Schüler das Ruder in die Hand nahmen und dank Werners Erfahrungen erfolgreich starteten.
Die 90er waren dann die Zeit, in der einige große Bühnenbilder entstanden. Das atmospherisch schöne Bühnenbild von Pygmalion oder das traumhfte Bild des Sommernachttraums. Sein ganzes Können und seine Liebe zum Detail zeigte er dann aber bei den "12 Geschworenen". Ein geschlossenes Bühnenbild, mit fließendem Wasser und einem Ventilator, der auf Knopfdruck ein und auszuschalten war (wenn auch vor einer Aufführung eine Putzkraft den Stecker gezogen hatte und in einer Panikaktion die Leitung wärend der Aufführung hinter die Kulissen klettern musste). Ende der 90er ging jedoch auch diese Ära zu Ende und Stefan, Michael und Christopher, zwei Erfahrene und ein Neuling, übernahmen den verweisten Posten. Die Leitung hatte sich mal wieder verändert, doch Werner blieb. Es folgte 1999 ein abermals gänzlich geschlossenes Bühnenbild für die "10 kleinen Negerlein", für das er sogar sein eigenes Klavier in die Aula bugsierte. Im Jahr 2000 wurden die hochtrabenden Wünsche der AG-Leitung, eine Drehbühne zu bekommen, erhört und damit nicht genug, denn in der Inszenierung "Colombe" hatte Werner seinen einzigen Auftritt auf der Bühne! Eine Performance, wie sie ihres gleichen sucht. "Die Abenteuer in den Boudoirs der schönen Damen sind ZU ENDE (...) wo es gilt unser geliebtes FRANKREICH zu verteidigen." Ein Gastauftritt der sicher lange überfällig war und alle Erwartungen weit übertroffen hat.
Zur Inszenierung der "Widerspenstigen Zähmung" Werner u.a. einen Brunnen, der, wie solle es anders sein, tatsächlich Wasser speit. Leider war das gepläötscher zu laut, so dass dieser Effekt lediglich in den ersten Augenblicken zu genießen war. 2002 entwirft er die Räume für den "Revisor" und baut für "die Frist" im folgenden Jahr u.a. einen Trohn.
2004 ist dann das Jahr, welches alle bisherigen Bühnenbilder, größentechnisch, in den Schatten stellen soll. Die AG plant zum 100. Jährigen Jubiläum die Inszenierung von Shaws "Cäsar und Cleopatra" im Ruhrfestspielhaus. Die Planungsphase begann schon weit im Voraus und fand zu großen Teilen in der Gartenlaube bei Werner statt. Wir wussten, dass die Bühne gigantische Ausmaße hat und dennoch sollte ein stimmiges Gesamtbild entstehen... Hinzu kam, dass das Stück zahlreiche Ortswechsel hat und somit ein geschlossenes Bühnenbild auch aus diesem Grunde nicht in Frage kommt. So entstand der Plan, die hintere Wand farbig zu beleuchten und diverse Schattenrisse (Sphinx oder Ufer z.B.) daran zu hängen... Doch gibt sich Werner damit niemals zufrieden (und die AG-Leitung natürlich auch nicht) und so entstand für das Stück:
Zwei Säulen à 3 Meter, ein Schiff mit Segel, das von der Bühne fährt, eine Sphinx mit zwei Tatzen ("Katzentatzen"), auf denen Cäsar und seine Cleopatra Platz finden, ein 3 Meter hohes Fenster, ein Steg, eine Landungsbrücke, ein Trohn, ein Leuchtturm ... Nur um einige zu nennen. Es war eine wahre Wonne, Werner zu erleben, wie er Morgens voller Elan ankam, den Kofferaum voll mit, scheinbarem, Gerümpel und den Kopf voller Ideen...
2005 bekam der Geizige sein heruntergekommenes Haus, inklusive einem Sofa, welches Werner höchstpersönlich in einen desolaten Zustand brachte. Für den fiktiven Garten auf der Bühne, wurde der reale Garten der Nachbarschaft geplündert. "Geht nicht, gibt´s nicht!" War immer sein Credo - und er hatte Recht.
Für Macbeth zimmerte er ein gigantisches Tor, welches das zentrale Bühnenelement war und für die Konferenz, 2007, brachte er ein realistisches Lehrerzimmer auf die Bühne.
Im Herbst 2007 verstarb er dann leider viel zu früh, denn wir sind uns sicher, da waren noch einige Ideen, die er uns liebend gern auf die Bühne gezaubert hätte.
 
 
"Vertragen wir uns wieder!" "Aber wieso denn? Wir haben uns doch gar nicht gestritten...???" "Ja, aber Vertragen ist doch viel schöner als sich streiten...!"