headerphoto
Museum 2009 "Ende gut, alles gut." PDF Drucken E-Mail
next
last

Ende gut, alles gut
oder der lange Weg vom Text zur Inszenierung

 

„Die See“ war bezwungen und es war Zeit, Bilanz zu ziehen. Dickes Lob gab es für die schauspielerische Leistung und das gelungene Bühnenbild. Kritik hingegen für die Auswahl des Stückes. Es sei keine Komödie und die Aussage nur schwer nachvollziehbar. Was die Auslastung der Termine anging, so waren wir nie alleine in der Aula aber von einem „ausverkauft“ ebenfalls weit entfernt. Anstatt die Fehler bei den anderen, wie z. B. allgemeine Kulturverdrossenheit, zu viel Konkurrenz oder anderen Ereignissen zu suchen, setzte sich die Leitung zusammen und überlegte, wie man die Aula wieder füllen könnte. Was läuft immer und überall gut? Shakespeare, so die Vermutung der AG und da am besten eine Komödie. Die Widerspenstige wurde bereits 2001 gezähmt und der „Sommernachtstraum“ schon viel zu oft und überall inszeniert. „Was ihr wollt“ klang gut und „Maß für Maß“, wenn auch ein Problemstück und keine Komödie des Engländers, bot sich zwar wegen einer Namensähnlichkeit zum Rektor an, boten sich aber beide entweder von der Story oder den Rollen nicht wirklich an. Auch „Viel Lärm um nichts“ hatte nicht von der Handlung überzeugen können. Schließlich fiel die Wahl auf „ENDE GUT, ALLES GUT“, einem eher unbekannten Stück des Autoren. Dass diese Wahl mitunter auch noch einige Probleme mit sich bringen würde, sollte sich im Laufe des Jahres zeigen.

Das Stück war also gefunden. Doch wäre die AG nicht die AG, wenn sie sich mit einem Stück direkt zufrieden geben würde. Eine Herausforderung musste her, die der Inszenierung das gewisse Etwas gibt und die anspruchsvolle Sprache des elisabethanischen Stückes auflockert. Aus dieser Motivation entstand die Idee, einen Subplot in das Stück zu integrieren, in dem wir Facetten unserer Probenarbeit aufarbeiten wollten. Wie dieses letztendlich aussehen mag, wusste im Herbst 2008 so wirklich niemand.

Nichtsdestotrotz rückte kam Casting, bei dem sich auch dieses Jahr wieder zahlreiche Neue beworben hatten und da uns viele positiv aufgefallen sind, haben wir zum einen die offiziellen Rollen des Stückes besetzt und noch einer guten Hand voll Rollen, im damals noch nicht ansatzweise existierenden, Subplot zugesichert. Ein Versprechen, dass die Leitung in den folgenden Monaten nochmals besonders unter Druck setzen sollte. Schließlich, da die Leitung gerade von Ideen nur so überschäumte, wurde noch eine Szene mit zwei Gaststars ersonnen, von denen man zwar wusste, wer es sein sollte aber mitnichten was sie tun sollten.

Auf jeden Fall kamen im späten November die Proben so langsam in die Gänge. Im Dezember gab es die traditionelle Weihnachtsfeier, doch noch keinen Gesamtdurchlauf. Dieser folgte im Januar und ließ uns das erste mal erschrecken, wie lang so ein Stück sein kann. Also Rotstift gezückt und eiskalt ganze Szenen hinaus gestrichen. Was das Publikum im nachhinein freuen dürfte, war für die, die es betraf nicht immer angenehm. So schrumpfte z.B. die Rolle der Närrin von Woche zu Woche.

Während das Hauptstück immer kürzer aber noch lange nicht kurz wurde (der Traum von Harri, mal ein eineinhalb Stunden Stück zu verwirklichen wurde auch dieses Jahr um eine Stunde verfehlt), wuchs der Subplot kontinuierlich und fasste schließlich 4 Szenen exklusive Gaststarauftritt. Darüber hinaus gab es mittelgroße Probleme, dadurch dass ein Darsteller beim Bund war und somit seine Rolle kurzerhand mit einer im Subplot getauscht wurde. Eine andere Rolle bei Shakespeare entpuppte sich als stumme Rolle und eine weitere als Ein-Satz-Auftritt, so das dort auch noch mal umgemodelt und hinzugeschrieben werden musste. Schließlich war auf nahezu jeder Seite von „Ende gut, alles gut“ eine Streichung zu finden und der Subplot wurde erneut auf drei Szenen gestaucht, um im zeitlichen Rahmen bleiben zu können, der im Endeffekt ca. 2 ½ Stunden betrug.

Als endlich die Struktur des Stückes soweit stand, tauchten neue, nicht mindere Probleme auf. Shakespeare ist nicht gerade bekannt für seinen klaren Erzählstil und so machte sich die Leitung zunehmend Sorgen, ob denn der Hauptplot, der vor allem vom Tauschen diverser Ringe handelt, überhaupt für das Publikum nachvollziehbar werden würde. Hinzu kommt noch eine Parallelhandlung von einer verlorenen Trommel, die zwar unterhaltsame Szenen aufweist aber eventuell zu sehr vom Hauptgeschehen ablenkt. Weitere Parallelhandlungen, wie der Tod des Arztes zu Beginn und Berichten über den Sohn Lafeus wurden ersatzlos gestrichen.

Die Schlüsselszene, in der Helena an Dianas Stelle Bertram im Bett erwartet, wird bei Shakespeare nur im Dialog erwähnt. Zu wenig, wie wir fanden und beschlossen daher, eine Bettszene auf der Bühne zu zeigen. Wie diese genau aussehen sollte, war der Regie zwar schon lange klar, doch haben die Darsteller dies erst eine Woche vor der Aufführung erfahren, da erst zu diesem Zeitpunkt, der dafür benötigte „Paravent“, hinter dem in einem pantomimischen Schattenspiel die Szene stattfand, fertig war.

Womit wir bei einer weiteren Herausforderung des Stückes wären. Shakespeare hatte nämlich keinerlei Skrupel von Roussilion nach Paris, von dort zurück und schließlich an mehrere Spielorte bei Florenz zu springen. Zahlreiche Orte, die man dem Zuschauer auch gerne in irgendeiner Weise präsentieren wollten. Aus dieser Not entwickelt sich das komplett rollende Bühnenbild. Zwei Säulen, mit je drei Seiten und einem Thron auf rollen, erschufen in kürzester Zeit neue, abstrakte Bilder un d gaben den Orten ihren Wiedererkennungswert, der es dem Zuschauer erleichtern sollte, sich zu orientieren. Um außerdem dem Stück mehr Dynamik zu verleihen fanden alle Umbauten bei offener Bühne zu Musik statt. Die Charaktere des Subplots wurden zu den Bühnenarbeitern des Hauptstückes und somit in das Gesamtkonzept integriert. Was zum einen modern wirkt, ist gleichzeitig im Sinne der Shakepeares, der damals ohne Bühnenbauten die Szenen ineinander fließen lies.

Letztendlich wurde noch eine Dramaturgie erarbeitet, die nicht, wie von Urtext vermutlich impliziert, Helena alleine als die Liebe, von Bertram hintergangene darstellt. Sondern sie als eine Frau agieren lässt, die fast fanatisch Bertrams „Liebe“ mit allen Mitteln erzwing. Bertram ist am Ende, auch wenn sein Verhalten im Laufe des Stückes sicher nicht vorbildlich ist, Opfer, denn durch das ihm, mit einer List, untergejubelte Kind endet seine Jugend voller Abenteuer und er bleibt zu den Klängen „Where is my mind“ alleine auf der leeren Bühne zurück, die langsam abgebaut wird.

Alles in allem kostete die Arbeit an der Dramaturgie des Stückes mal wieder mehr Arbeit, als man Anfangs glauben wollte.

Zum Glück hatte die Leitung eine tolle Truppe in dem Jahr um sich gescharrt, die tatkräftig mit anpackten und so schließlich den Titel des Stückes zum Motto des Jahres machten. „Ende gut, alles gut“ hieß dann schließlich nach drei gut gefüllten Aufführungen und wenn auch der Tenor, dass das Stück nicht das beste von Shakespeare sei, war, so konnte die Inszenierung unterhalten und die schauspielerische Leitung wirklich überzeugen.

Fotos
Eintrittskarte
Pressespiegel
Plakat
Stuecke

Fotolink

Fotolink
Fotolink
Fotolink
Fotolink
Fotolink
Fotolink
Fotolink