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Museum 2011 "Vorsicht Trinkwasser" PDF Drucken E-Mail
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Das perfekte Jahr oder

"Die AG - Um keine Schlagzeile verlegen"

Am Ende war es nur ein kurzer Griff in den Mülleimer, der die Situation entschärfte. Der große Knall blieb aus oder kam leicht verzögert, in Form von Radiomeldungen und einem Halbseitigen Zeitungsartikel und Erwähnung auf dem Titelblatt…

Aber zurück auf Anfang. Denn ein Jahr zurück hätte niemand im Traum daran gedacht, die Hittorf Theater AG in einem Atemzug mit Terroristen zu nennen. Es war Herbst 2011 als Harri per SMS funkte, er habe das perfekte Stück für uns gefunden, er könne nicht mehr vor Lachen  und wir müssten dies unbedingt spielen. Obwohl mindestens einer von den anderen beiden Leitungsmitgliedern dem Autor, Woody Allen, eher skeptisch gegenüber stand, wurde das Skript weiter gereicht und tatsächlich als saukomisch befunden. Da es auch eine vertretbare Rollenanzahl hat, wurde nicht lange gefackelt und „Vorsicht Trinkwasser“ zum neuen Projekt gekürt. November ging es dann, wie gewohnt, an das berühmte Casting, bei dem wieder mehr Interessenten als Rollen kamen aber das ist der AG immer lieber, da es zu einem für deren Ruf spricht und zum anderen so eine gewisse Auswahl besteht. Denn auch wenn jeder Schüler ein Schauspieler ist, passt nicht jeder Schauspieler auf jede Rolle…

Zwei Wochen zogen ins Land, einige alten Hasen verzichteten auf ihren Platz auf der Bühne, um sich dem Reifezeugnis inklusive der zahlreichen Partys in Gänze widmen zu können und so wurden die Lücken mit vielversprechendem Neulingen gefüllt. Während der erste Schnee fiel und draußen alles festlich geschmückt wurde, hangelte man sich so peu à peu durch die Komödie und fand, wenn am Ende des Jahres das Publikum nur halb so viel lacht, wie die Darsteller auf der Bühne, könnte das ein ganz netter Erfolg werden. Die legendäre Weihnachtsfeier schweißte die Truppe näher zusammen und beim ersten Gesamtdurchlauf im neuen Jahr passierte das, was seit AG-Gedenken nicht mehr geschah: Das Stück war kürzer als gedacht! Nicht dass es zu kurz war, nein, es war nahezu perfekt. Jedoch wollte man diesem Phänomen bis zur Generalprobe nicht so rechten Glauben schenken. Skeptisch und pessimistisch, wie sie manchmal sind, redete man sich ein, dass dies nur an den fehlenden Umbaupausen und am zu schnellen lesen liegen könne. Denn die Erfahrung hat gezeigt, der größte Teil der Autoren schreibt Stücke für trainiertes Sitzfleisch.

Da es auf der Probenseite so gut lief, wollte man auch auf der organisatorischen Seite dieses Jahr pfiffiger sein, als im vergangenen. Schließlich ist man ja in der Lage aus Fehlern zu lernen und telefonierte daher in regelmäßigen Abständen mit dem Kreis, wie es denn mit einem schriftlichen Vertrag für die Aula stehen würde. Schriftlich hätte man da noch nichts, aber die Termine sind sicher im Kalender vermerkt. Dem muss man dann halt Glauben schenken, dachte sich die Leitung und wartete weiter brav auf die Katastrophen, die da noch kommen mögen. Doch auch als die Textbücher von der Bühne verschwanden, gab es keinen Grund zum Klagen. Der Text saß und die einzelnen Akte bestanden zunehmend aus kleinen Szenen. Wenn alles so glatt und unspektakulär verläuft, so dachten drei Weisen, können wir das Schicksal ja noch mal herausfordern und beschloss für das Stück zwei Trailer über die Video-AG produzieren zu lassen.

Im Mai traf man sich auf daher an einer kleinen Brück in einem Industriegebiet und verwirrte die Feiertagsspaziergänger, indem man in Trenchcoats und Koffern besagte Brücke auf und ab marschierte. Trotz einem heftigen Regenschauer, der ziemlich genau mit dem ersten Take begann und mit der letzten Klappe endete, verlief auch dieses Abenteuer ohne besondere Vorkommnisse.

Daher konnte auch die gesamte Truppe schließlich, ohne Sorge, in die Sommerferien entlassen werden.

Nach den Ferien, den Vertrag des Kreises tatsächlich schriftlich in den Händen, begann die wirklich heiße Phase und auch in diesen drei Wochen der harten Probenarbeit lief alles wie am Schnürchen. Das Ensemble ist textsicher, das Bühnenbild nimmt Gestallt an und die Discokugel für den stilisierten Sternenhimmel wird termingerecht geliefert. Sogar der Kartenverkauf für die ersten zwei Aufführungen verläuft sehr zufrieden stellend. Zwar können wir kein Ausverkauft melden aber eine gut gefüllte Aula ist uns auf jeden Fall sicher.

Die Premiere kommt und übertrifft alle unsere Erwartungen. Das Publikum ist gänzlich aus dem Häuschen, stehende Ovationen und ein prall gefülltes Spendentürmchen. So macht Theater spaß. Auch die zweite Aufführung verläuft grandios. Das Publikum wirkt fast noch euphorischer, als beim ersten Spektakel und dank einem Feiertag am Montag, kann dies auch entsprechend gefeiert werden.

Am Dienstag nach den Aufführungen bekommen wir einen spitzen Artikel in der Recklinghäuser Zeitung, der den Vorverkauf noch mal richtig ankurbelt und die Leitung veranlasst, das Kartenkontingent noch mal genaustens zu zählen. Am Ende gibt es für die Abendkasse nur ein kleines Restkontingent, das jedoch auch schnell vergriffen ist. Und damit ist es gelungen, was seit zehn Jahren nicht mehr geglückt ist: Die Kunibergaula ist bis auf den letzten Platz ausverkauft!

Ein perfektes Jahr war geschafft! Ein tolles Stück, ein super Ensemble und ein Publikum, das enormen Spaß hatte…

Doch wenn es zu gut läuft, hält das Schicksal nicht selten eine Überraschung bereit…. Und diese Überraschung war dann weniger erfreulich. Während der Abbauarbeiten landete eine Requisite, statt wie alle anderen in einer Tüte, in einen der Mülleimer vor der Aula. Dumm war nur, dass es sich bei diesem Gegenstand nicht um irgendeinen handelte, sondern um eine Bombenattrappe, die im Stück Verwendung fand. Genau genommen war es ein Steckschwamm, der, bereits aufgeschlitzt, mit Panzertape umbunden und einem Wecker versehen war. Eine „Bombe“, wie man sie in jedem zweiten Comic finden würde. Zu unserem Nachteil, lag dieses Objekt wohl auch noch am Montag noch oben auf, so dass dieses von Schülern entdeckt wurde und aus Angst vor einem Anschlag der Hausmeister gerufen wurde. Dieser informierte die Schulleitung und diese schließlich die Polizei und Feuerwehr. Noch eh erste Vermutungen die Runde machten, es könne sich tatsächlich um ein harmloses Relikt der Theater-AG handeln, waren auch schon Presse und Einsatzleitung vor Ort. „Hit Radio Vest“ berichtete nahezu live, die Recklinghäuser Zeitung veröffentlichte einen entsprechenden Artikel auf ihrer Homepage und am kommenden Tag einen halbseitigen Artikel inklusive Vermerk auf der Titelseite. Zum Glück konnte ein Leitungsmitglied dem Spuk ein Ende machen, in dem er zum Tatort eilte und die Situation beschämt aufklärte.

Die AG hat sich schließlich noch mal bei der Schulleitung offiziell entschuldigt und ist sich sicher, dass man in Zukunft auf solche Requisiten verzichten wird bzw. wenn sie zum Einsatz kommen, direkt korrekt entsorgt, um eine solche peinliche Situation in Zukunft zu verhindern.

Sprüche, wie es war ein "Bombenstück" oder "Bombenerfolg" kann die AG seit dem nicht mehr hören und sind ab sofort aus dem aktiven Wortschatz gestrichen.

So wurde es dann doch noch ein unfreiwillig aufregendes Jahr, wobei der Theater-AG ein Ende ohne diesen Schrecken bei weitem lieber gewesen wäre und das Jahr in Erinnerung behalten wird, als eines, in dem (fast) alles glatt lief und mit einem ausverkauften Haus wieder ein mal Theatergeschichte geschrieben wurde.

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