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Museum 2012 "Ein idealer Gatte" PDF Drucken E-Mail
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Das ideale Jahr
oder wie es fast zu einem "NOGO" wurde...

 

Am Anfang stand, wie jedes Jahr, die Suche nach einem neuen Stück. Ein Stück, das an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen kann und dennoch anders genug ist, als dass es sich einem direkten Vergleich entzieht. Bücher wurden gewälzt, diverse Schauspielführer durchforstet und Filme gesichtet, von denen es eventuell eine Bühnenfassung geben könnte. Schließlich einigte man sich auf Oscar Wilde, nur um kurz darauf zu erfahren, dass die Unterstufen-Theater-AG just das selbe Projekt ins Auge gefasst hatte. Somit wurde der Termin fürs Casting verlegt und weiter nach einem geeigneten Stoff gesucht, was sich von Jahr zu Jahr als schwieriger herausstellt. Letztendlich rückte die Unterstufen-AG jedoch von ihrem Vorhaben ab, so dass einem „Idealen“ Theater Jahr nichts mehr im Wege stand. Im Folgenden wurde eine ideale Besetzung gesucht, die auch in einem idealen Casting, wenn auch der Nachwuchs an männlichen Darstellern sehr rar gesät war (genau genommen kam einer, den wir auch gleich verpflichteten).  Kaum waren die Rollen verteilt ging es auch direkt daran, mit der Probenarbeit zu beginnen.  Diese verliefen weites gehend ohne besondere Vorkommnisse, wenn man davon absieht, dass einzelne Personen auf einmal merkten, dass sie nach dem Abitur eventuell nicht mehr im Ruhrgebiet verweilen oder ihre Freizeit durch andere Aktivitäten, wie Ausbildung in Anspruch genommen werden könnten… Schließlich wurde der Leitung aber zugesichert, dass das schon irgendwie passen würde, und bis auf eine Ausnahme, sollte dies auch der Realität entsprechen.

Von Zukunftsängsten erlöst konnte sich die Leitung schließlich daran machen, das Stück radikal zu kürzen und für die zahlreichen Damen, denen wir eine Rolle gönnten, Personen hinzu zuschreiben, indem eine Szene aus einem weiteren Oscar Wilde Stück eingefügt und diverse Rollen auf gesplittet wurden.  Während der Rotstift angesetzt wurde, verschwanden zahlreiche „Wilde´sche  Doppelungen“ (z. B. Liebe mich immer – immer) und man näherte sich dem „idealen“ eineinhalb Stunden Stück. Auch wenn das Ziel nicht ganz erreicht wurde, so waren wir doch so nah dran, wie nie zuvor. So zogen die Monate ins Land, ab Mai verschwanden die (meisten) Textbücher von der Bühne und eh man sich versah, war Sommer und damit Ferienzeit.

Nach sechs Wochen Pause ging es Ende August dann direkt in die heiße Phase! Drei Tage Schule und dann direkt in die Aula, die trotz aller Befürchtungen, noch stand, wo wir sie letztes Jahr verlassen hatten. Zwar gab es keinerlei Scheinwerfer, dafür aber immerhin einen Vorhang und die Bestuhlung schien auch noch vollständig zu sein. Wir hielten sogar einen Vertrag in den Händen, der uns für die kommenden drei Wochen als Mieter der Räumlichkeiten auswies. Natürlich waren wir nicht die einzige Gruppe, die einen solchen für besagten Zeitraum besaß und so durften wir die Bühne wieder mit diversen Gruppen teilen. Da uns dieses Prozedere aber durchaus aus den vergangenen Jahren bekannt war und wir der Meinung waren, dass kulturschaffende Menschen eine gewisse Intelligenz und Menschlichkeit mitbringen, gingen wir davon aus, dass man durch Absprachen durchaus nebeneinander existieren kann. Dies klappte in der ersten Probenwoche auch ohne Probleme. Wir räumten die Bühne an zwei Tagen früher, damit andere hinein können und somit schien alles entspannt und friedlich zu verlaufen. Wir bestellten eine Lichtanlage, die professionell installiert wurde, brachten die Bühnenrequisiten in die Aula und installierten diese am Wochenende auf der Bühne. Einer idealen Premiere schien damit nichts mehr im Wege zu stehen. Dachten wir.

Am Montag erfuhren wir dann jedoch, dass es ein „Nogo“ sei, dass wir Bühnenelemente fest installiert hätten, da diese ja noch für Proben einer anderen Gruppe gebraucht würde. Auch unser Einwand, dies sei so telefonisch abgesprochen worden, ließ man nicht gelten und das Bühnenbild hätte zu verschwinden. Da wir aber kein Werkzeug hatten, konnten wir diesem Wunsch nicht nachkommen, was unser Ansehen sicher nicht verbesserte. Schließlich boten wir an, unser Bühnenbild nach jeder Aufführung ab und für die jeweils nächste wieder aufzubauen. Zähneknirschend wurde uns diese Gnade zu teil, was jedoch wiederum Unmut unter unseren Schauspielern auslöste, denn die Elemente waren mitnichten „mal eben so“ abgebaut. Da es aber keine Alternative gab, wurde es dann so gemacht.

Damit, so glaubten wir in unserer Naivität, wäre der größte „Ärger“ für dieses Jahr ausgestanden und blickten guter Dinge in Richtung Generalprobe. Unser Bühnenmeister nahm das Bühnenbild ab und auch an der aufgehängten Beleuchtung gab es nichts auszusetzen. Der sechste September konnte also kommen. Die Schauspieler stehen geschminkt bereit, dass Bühnenbild steht, das Licht geht an und die Leitung verfolgt gespannt eine ideale Generalprobe. Die Witze zünden, die Spielfreude lässt eine gute Premiere erahnen, als Harri einen Anruf bekommt. Herr Maas fragt, ob wir es denn schon wüssten, was wir verneinten und was er dann zu berichten hatte, hätte uns fast resignieren lassen. Der Kreis hatte nämlich mitbekommen, dass wir (oh Wunder) mit Beleuchtung spielen würden und daher den Hausmeister der Aula gebeten, die Lichtanlage zu fotografieren und die Fotos per Mail ihm zukommen zu lassen. Aufgrund dieses Materials teilte der Kreis der Schulleitung mit, dass eine Aufführung mit dieser Anlage nicht durchgeführt werden dürfe und er dieses Verbot, wenn nötig, auch polizeilich durchsetzen würde. Es war halb neun, die Generalprobe lief und am nächsten Tag wäre Premiere. Kurzfristig wurden Ständer für die Scheinwerfer für den kommenden Tag geordert, wobei wir damit rechneten, dass in diesem Falle die Feuerwehr uns nicht aufführen lassen würde, da diese Ständer Fluchtwege blockieren würden. Als letzte Alternative bliebe uns dann nur noch, die Aufführung ohne Publikum zu filmen und damit die Hittorf-Theater-AG zu Grabe zu tragen.

Dank einem intensiven Telefonat von Seiten der Schulleitung mit dem Kreis und mit Hinweis auf einen professionellen Bühnenmeister, der die Anlage abgenommen hat, wurde die Aufführung schließlich doch noch genehmigt. Offiziell sei der Grund für die Panikmache die Befestigung gewesen, die auf den Fotos wir Stoffbänder, gewirkt habe. Dennoch sei diese Entscheidung eine Ausnahme und im kommenden Jahr vermutlich so nicht mehr möglich.

Trotz dieser Steine bzw. Felsen, die uns auch dieses Jahr wieder vor die Füße gelegt wurden, kam es zu einer idealen Premiere, einer etwas weniger gut besuchten Sonntagsaufführung und am Ende zu einem fulminanten Finale, das, bis auf 7 Karten, ausverkauft war.

Es war ein tolles Jahr, mit einer tollen Truppe. Doch kann es keine Option für die Zukunft sein, dass man bis zur Premiere zittern muss, ob es überhaupt zu einer Aufführung kommen wird. Es ist schade, dass die „Stadt der Ruhrfestspiele“ keine Räume für Kreativität schafft aber es ist ärgerlich, wenn Gruppen sich engagieren und bereit sind eigenes Geld zu investieren, um marode Spielstätten bespielbar zu machen und in diesem Vorhaben auch noch behindert werden! Besonders ärgerlich ist dies, wenn man zwei Wochen später einer Veranstaltung besucht und an der Decke dieselbe Traverse entdeckt, die uns nur ausnahmsweise genehmigt wurde. Es könnte hier durchaus der Eindruck entstehen, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Aber das ist eine andere Geschichte und wir hoffen, naiv wie wir sind, dass wir dann im kommenden Jahr von einem idealen Jahr schreiben können.

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