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Museum 2013 "Pygmalion" PDF Drucken E-Mail
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20 Jahre in Schülerhand

oder

Wie die neue Leitung fast an einer Fluchttür scheiterte

In der vorherigen Spielzeit wurde, in Bezug auf das Stück, nahezu alles idealisiert. Wir sprachen vom idealen Stück, dem idealen Ensemble, der idealen Leitung, dem idealen Publikum oder ganz einfach von einem idealen Motto für das Jahr. Nun war das ideale Jahr vorbei und es wurde Zeit, ein neues Leitmotiv für die kommende Saison zu finden. Ein Blick in die Geschichtsbücher der AG ergab, dass die AG zufälligerweise auf ein rundes Jubiläum zusteuerte. Normalerweise ist die AG dafür berühmt, solche Großereignisse grundsätzlich zu vergessen oder erst im Nachhinein zu realisieren, weshalb wir auch gewissenhaft und vor allem mehrfach  genau nachgezählt haben. Letztendlich gab es nichts daran zu rütteln: im Frühjahr 2013 wäre die AG genau 20 Jahre in Schülerhand. Das hat uns dermaßen gefreut, dass wir den (inzwischen) Lehrer Harri kurzerhand aus der Leitung geworfen haben, um das Ereignis mit einer lehrerfreien AG-Leitung begehen zu können… Diese Version ist natürlich eine dreiste Lüge, hätte aber sehr schön zu dem Ereignis gepasst. Tatsache ist, dass sowohl Fabian, als auch Harri die nötige Zeit, die eine Leitungsposition, auch in der AG, beansprucht, nicht mehr aufbringen konnten und daher ihren Abschied nahmen. Damit nun das verbliebende Leitungsmitglied nicht alleine die kommende Saison bestreiten muss, hat man sich im Ensemble bedient und kurzerhand Lucas und Jonas für deren Posten rekrutiert. Auf der einen Seite fühlten die beiden sich durchaus geschmeichelt, schließlich wurden sie auch, mehr oder weniger, in der vergangen Saison auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet. Auf der anderen Seite gefiel ihnen aber der Gedanke, ihren Platz auf der Bühne, womöglich für Nachwuchsschauspielern, räumen zu müssen, noch nicht so wirklich. Indem die Beiden aber mit zahlreichen neuen Aufgaben, wie zum Beispiel Stück und Ensemble finden, überhäuft wurden, konnte der Trennungsschmerz von der Bühne fürs erste unterdrückt werden.

Nachdem die Personalfragen unkompliziert und ohne feierliche Übergabe des Staffelstabes über die Bühne gegangen ist, ging es im Herbst auch schon daran, ein neues Stück für die Saison auszuwählen. Wie jedes Jahr (vgl. Museum der letzten Jahre) stellte sich diese Suche auch dieses Mal alles andere als einfach dar. Letztendlich entschied man sich für ein Stück, das bereits 1994 von der AG inszeniert wurde: Pygmalion. Die Entscheidung war insofern gewagt, als dass das Stück lediglich zwölf Rollen hat und daher wenig Raum für neue Gesichter auf der Bühne bot. Nichtsdestotrotz hat man wieder zu einem Casting geladen und gehofft, dass vielleicht nicht alle aus dem letzten Jahr kommen würden oder, falls doch, das Problem neue Gesichter in der AG zu fördern, einfach auf die kommende Saison verschiebt. Ein Problem, das der AG, dank Doppeljahrgang, 2013 noch einiges an Kopfzerbrechen bescheren soll, dazu aber mehr im Rückblick 2013/2014.

Am 29. November war es dann soweit, die AG lud zum legendären Casting und auch diesesmal war das Interesse groß, wenn auch die Theaterbegeisterung bei den Damen immer größer zu sein scheint, als bei den Herren. Eine gute Woche später wurden dann die „Erwählten“ traditionell zur ersten Probe eingeladen, bei der schließlich die Rollenvorstellungen durch die Leitung bekannt gegeben werden. Da die Darsteller aufgrund des Castings bereits wussten, welches Stück gespielt werden wird, war die Spannung natürlich groß, wer die weibliche Hauptrolle bekommt. Gäbe es am Hittorf-Gymnasium eine Buchmacher-AG, sie hätte an diesem Tag enorme Gewinne einfahren können, denn kaum einer hatte mit dem Mut der Leitung gerechnet, die Rolle der Eliza einem Theaterneuling zu geben. Zumindest sprach der Gesichtsausdruck Lauras und der „leer“ ausgegangenen Teilnehmer an diesem Tag genau diese Sprache. Da Neid zum Glück in der AG der Herzen ein Fremdwort ist, waren zwar alle erstaunt und vielleicht einen klitzekleinen Moment enttäuscht aber am Ende (spätestens zu den Aufführungen) alle mit ihrer Rolle glücklich.

Der weitere Verlauf der Probenarbeit soll hier nur verkürzt wiedergegeben werden, da es sich ähnlich zutrug, wie das Jahr davor und das Jahr davor und das… Ihr wisst was wir meinen. Unbeholfene, egal ob erfahrene oder nicht, Schauspieler stehen in der MNU mit Textbüchern auf der Bühne und versuchen die geschliffenen Sätze, wie zum Beispiel „Aaaah-Ooooohh-Uuuuuh“ eines G.B. Shaws, mehr oder weniger überzeugend zu rezitieren. Es ist die Zeit der Probenarbeit, in der immer wieder Zweifel an der Auswahl des Stückes aufkommen und die Gewissheit reift, dass man noch einiges zu kürzen hat, was natürlich auch geschieht. Im Januar kommt schließlich ein zweiter Probentermin hinzu und um den Alltagstrott ein wenig aufzulockern, denkt sich die Leitung so lustige Mottoproben, wie Karnevalsprobe, mit roter Nase, oder Valentinsprobe, mit Rosen und Konfekt, aus. Ansonsten geht alles seinen gewohnten Gang und die Tatsache, dass zwei Mitglieder der Leitung dies zum ersten Mal machen, ist auch schnell vergessen. Das neue Triumvirat versteht sich sogar so gut, dass der kreative Blödsinn zeitweise droht, Überhand zu gewinnen, wenn sich die drei zum Beispiel mit Pizza und Bier in einem Keller beim Blödsinn reden selber filmen und Auszüge davon auf der Homepage veröffentlichen. Zum Glück wurden aus dem ca. einstündigen Material gerade mal fünf Minuten präsentiert, und es bleibt zu hoffen, dass der Rest gut gesichert und für die Öffentlichkeit unzulänglich, verborgen bleibt.

Im März entscheidet man sich schließlich die Weihnachtssause, die aufgrund des späten Saisonstarts nicht statt finden konnte, nachzuholen. Da es im Frühjahr jedoch schwirig ist, Glühwein und Printen zu bekommen, wird die Sause kurzerhand zu „Die Theater AG begrüßt den Frühling" umbenannt. Der einzige Haken dabei war, dass der Frühling sich nicht durch Feiern bestechen lässt und am anberaumten Termin auch noch nicht so wirklich in Fahrt gekommen war. Zum Glück gab es zahlreiche Europaletten, wodurch das Lagerfeuer die Feierfreudigen gut gewärmt durch die Nacht brachte. In Erinnerung wird vielen der Schock des Abends bleiben, als Horsti, das Theatermaskottchen als Sägespäne zurück zur AG kehrte. Es hatte sich bei der vergangenen Abschlussfeier einen bösen Achsenbruch zugezogen und war seitdem in holztierärztlicher Behandlung. Zum Glück währte der Schreck nur kurz, denn, wie Phönix aus der Asche, kehrte auch das Holzpferdchen putzmunter aus seinem Grab zurück…

Das nächste Highlight der Saison markiert der Trailerdreh, der im Sauerland stattfand. Wie schon bei den Stücken „Die Konferenz“ und „Zeugin der Anklage“, diente ‚Buddacastle‘ als Dreh- und Lebensort für ein Wochenende. Es wurden drei kreative Tage, an denen auch der Bildungsauftrag, durch einen Besuch des Burgmuseums, mehr als erfüllt wurde.

Die verbleibenden Wochen, bis zu den Sommerferien, verliefen ohne nennenswerte Ereignisse. Plakate wurden entworfen, der Kostümverleih aufgesucht und, wenn mal die Schule verschlossen war, draußen auf dem Schulhof geprobt. Der abschließende Gesamtdurchlauf vor der Sommerpause zeigte, wie jedes Jahr, dass in der Aulazeit noch ein wenig Arbeit auf uns warten sollte…

Nach den großen Ferien ging es dann wieder los und zunächst nicht ganz so, wie es sich die Leitung vorgestellt hatte. Denn die Mail, welche die Darsteller über die finale heiße Phase  informieren sollte, wurde von einigen Darstellern scheinbar als Angebot und nicht als verpflichtende Tatsache verstanden. Konkret war es so, dass einige Ensemblemitglieder die Prioritäten etwas anders legten, als im Vorfeld kommuniziert war. In den zwei Wochen Aulazeit ist Anwesenheit für  alle und jegliche Termine sind um die Probenzeit herumzulegen bzw. abzusagen. Eine einfache Regel, auf die dann erneut in einer Mail hingewiesen wurde, was dann zu kleinen revolutionären Tendenzen führte. Im Endeffekt konnte der Aufstand, dank diplomatischen Geschickes der Leitung und Einsehen der Darsteller, abgewandt werden und die Aulazeit konnte beginnen.

Die zwei Woche Aulazeit waren, wie jedes Jahr, geprägt durch intensive Probenarbeit, Streichorgien und Bühnenbildbau. Die alljährige Maskottchenentführung konnte dieses mal unsplitterig und ohne Lösegeldübergabe beendet werden, indem sich das SHEK (Schnelle Horsti Einsatzkommando) in die Verhandlungen einbrachte und den Horstinapper zur Aufgabe überreden konnte. Es wurde damit gedroht, Personen von der Gästeliste zur Premierenfeier zu streichen und da Fabian der erste Name gewesen wäre und der Entführer scheinbar gewisse Sympathien für diesen Jungen hat, rückte er das kleine Holzpferd ohne weitere Forderungen heraus.

Alleine eine verschlossene Fluchttür stellte die Leitungsnerven am Ende noch vor eine harte Probe, da, bliebe sie verschlossen, eine Aufführung vermutlich nicht genehmigt werden würde. Zunächst wurde versucht, die Tür durch nackte Gewalt zu öffnen, dies hatte jedoch lediglich eine Rippenprellung zur Folge. Schließlich erlöste uns ein neues Schloss zwölf Stunden vor der Premiere von diesem Problem und die Aufführungen konnten ohne nennenswerte Zwischenfälle über die Bühne gehen. Die Darsteller gaben, wie gewohnt, alles, Michael, der sein 50. Bühnenjubiläum feierte, begeisterte Ensemble und Publikum gleichermaßen und am  Schluss waren es nur die drei Leitungsmitglieder, die auf der Bühne bei der Danksagung etwas unsicher und amateurhaft wirkten. Kurzum war auch diese Saison eine, die zahlreiche Anekdoten enthalten hat, durch die uns die Saison in bester Erinnerung bleiben wird.


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