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Museum 2014 "Purpurstaub" PDF Drucken E-Mail
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I wanna scream and shout and let it all out

Am Anfang steht das Wort und das Wort war Irisch. Nachdem Wilde und Shaw uns zwei gute Jahre in Folge beschert hatten, wagte die AG das Tripple: O’Caseys Purpurstaub, ein Stück, dass zwar schon länger bei diversen Stückauswahlen auf dem Tisch gelegen hatte, jedoch eigentlich als nicht inszenierbar angesehen wurde. Die Regieanweisungen sahen unter anderem vor, dass das Haus zunehmend in sich zusammenfällt, eine Kuh die Bühne entert, eine enorm große Walze Wände einreißt und, als wäre dies nicht genug, am Ende eine gigantische Flut alles hinweg spült … Zum Glück hat sich die Theater AG durch solchen Autorenwahnsinn noch nie beirren lassen und beschloss, selbstbewusst wie immer, dass das schon irgendwie zu realisieren wäre.

Somit ging es dann im Dezember an das traditionelle Casting, welches besonders spannend war, da uns die männlichen Darsteller auszugehen drohten und wir dringend Nachwuchs brauchten. Schließlich wollten wir auch 2014 auf Damen mit Schnurrbärten verzichten und wahren froh, dass Lauras Werbekampagne in ihrer Stufe von Erfolg gekrönt war (wir wissen bis heute nicht, was den Herren versprochen wurde…). Jedenfalls konnten die Schnurrbärte wieder in der Faschingskiste verschwinden und die AG, eventuell von dem großen Andrang überwältigt, riskierte es mal wieder, eine Hauptrolle mit  einem der Newcomer zu besetzen.

Die Proben nahmen ihren Lauf. Man ertrug es mit Fassung, dass die Textbücher Gestik und Mimik verdeckten und insgeheim freute man sich, wenn diese Hefte nach den Osterferien endlich von der Bühne verbannt werden würden.

Eine Überraschung gab es, als das Programm der Ruhrfestspiele veröffentlicht wurde. Denn so erfuhren wir, die es mit Jubiläen noch nie so genau nahmen, dass O´Caseys Todesjahr sich zum 50. Mal jährte und aus diesem Anlass Sebastian Hartmann „Purpurstaub“ für die Festspiele inszenieren würde. Erfreut und gespannt, wie Profis dieses Stück inszenieren würden, orderten wir direkt Karten und fieberten der Aufführung entgegen. Schließlich sind die Ruhrfestspiele eine Institution und uns war bewusst, dass viele Leute diese Inszenierung sehen und uns eventuell später daran messen würden. Würde die Aufführung grandios werden, würde man uns das Stück eventuell nicht zutrauen, würde es ein Desaster, so würde man nachher vermutlich sagen: Das habe ich bereits bei den Festspielen gesehen, das brauche ich nicht noch mal … Letzteres sollte sich letztendlich bewahrheiten. Nicht, dass es ein Desaster gewesen wäre, jedoch war die Version, nun ja, speziell. Hartmann verwandelte das Drama in eine 4-Stunden-Perfomance ohne Pause und wenn auch die wenigstens bis zum Ende durchgehalten haben, war für die meisten klar – DAS Stück? Einmal und NIE wieder. Wir haben bis zum Ende durchgehalten und auch unsere Darsteller mussten abschließend zugeben, dass das Gesehene nicht viel mit „unserem“ Purpurstaub gemein hatte aber es auf jeden Fall ein spannender Theaterabend war und Theater mitunter seltsame Wege beschreitet. Im anschließenden Publikumsgespräch konnte sich die AG noch als Experten outen und einzelne Besucher versprachen sogar, im September zu uns zu kommen, um das Stück vielleicht doch noch zu verstehen…

Dies führte dazu, dass wir von da an unser Vorhaben immer wieder rechtfertigen mussten. Jedoch ließen wir uns nicht von unserem Weg abbringen und entschieden lediglich, das Stück radikal zu kürzen, um eindeutig unter den 4 Stunden der Festspielinszenierung zu liegen.

Nach den Osterferien begannen wir dann mit teambildenden Maßnahmen, die gemeinhin auch unter Frühlingssause in den Kalendern vermerkt wurde. An diesem Abend, der erst in den frühen Morgenstunden ein Ende finden sollte, wurde deutlich, dass die AG ein tolles Ensemble gecastet hatte und die Gruppe nicht nur auf der Bühne wunderbar harmoniert. Ein Umstand, der die Arbeit auch in den folgenden Monaten und besonders in der Aulazeit sehr entspannt und befruchtend gestalten sollte.

Der Gesamtdurchlauf relativierte diesen Eindruck jedoch und glich einer mittleren Katastrophe. Textkenntnisse fehlten, es zog sich wie Kaugummi und der eine oder andere mag ernsthaft an den Erfolgsaussichten für das Stück gezweifelt haben. Andererseits ist das Phänomen ein alter Hut und im Gegensatz zum allgemeinen Glauben, die Generalprobe müsse in die Hose gehen, wissen wir, dass dies in erster Linie auf den letzten Gesamtdurchlauf vor den Ferien zutrifft.

Bevor es dann in die wohlverdienten Ferien ging, traf man sich noch, um einen Trailer zum Stück zu drehen, dessen Hauptdarsteller vor allem eine Nebelmaschine war – Was der Budda auf der Bühne stets zu verhindern versucht, konnte nun im Video ausgiebig genutzt werden: Darsteller, die im Nebel verschwinden. Die Sommerferien wurden genutzt, um Plakate zu drucken, Eintrittskarten zu produzieren und auf Hiobsbotschaften zu warten – die diese Saison erstaunlicherweise (fast) ausbleiben sollten. Einmal traf man sich noch in der Mitte der Ferien, um auf dem Speicher das Bühnenbild zu gestalten und somit die theaterfreie Zeit erträglich zu machen.

Ende August wurde es dann ernst: Die wahrlich heiße Phase begann. Hochmotiviert ging es in die Aula und die Werbemaschinerie lief auf Hochtouren. Der Gang durch die Klassen, Durchsagen am Hittorf und eifriges Plakatieren in Schule und Stadt nahmen ihren Lauf. Das Bühnenbild wurde installiert und peu à peu wurden die unmöglichen Bühnenanweisungen, wie ein Loch in der Wand, eine riesige Walze und weitere Gimmicks in die Tat umgesetzt. Alles schien, wie immer. Doch dann kam sie – die Hiobsbotschaft, von der wir glaubten, dieses Jahr bewahrt zu bleiben: Der „Lindenhof“, DAS Lokal, in dem seit den 1990er Jahren die legendären Premierenfeiern stiegen, machte Räumungsverkauf. Eine Woche später wurden Einrichtung und Wände eingerissen und ein theaterhistorischer Ort war Geschichte! Ein Originalglas konnten wir noch ergattern und tränenreich Abschied nehmen, bevor wir uns um eine andere Location für unsere Premierensause kümmern mussten. Da Hiob, der Schutzpatron der Theater AG, es jedoch gut mit uns meint, eröffnete, ebenfalls nicht weit von der Aula, just ein neues Lokal – „Zur langen Theke“ – mit separatem Raum und zivilen Getränkepreisen. Die Premiere konnte kommen.

Doch bis es soweit war, forderte uns Harri noch heraus. 2014 machte ein Phänomen in den sozialen Netzwerken die Runde, das sich „Ice Bucket Challenge“ nannte. Es ging dabei darum, sich einen Eimer Eiswasser über den Kopf zu schütten, sich dabei zu filmen oder Geld für einen guten Zweck zu spenden. Anschließend stellte man das Video ins Internet und nominierte weitere Personen, die es einem gleich tun sollten. Da Harri der Meinung war, wenn einer so bekloppt sei, diesen Quatsch mitzumachen, dann doch sicher die AG – und er sollte recht behalten. Kurzerhand platzierte sich die gesammelte Mannschaft vor der Aula und begoss sich mit Wasser, um anschließend die Schulleitung zu nominieren (die jedoch bisher diesem Aufruf nicht nachkam). Die Befürchtung, dass sich dadurch alle Darsteller hoffnungslos erkälten, bewahrheitete sich zum Glück nicht und, trotz anhaltender Skepsis gegenüber des Stückes durch Ruhrfestspielgeschädigte, konnte am 05. September die Premiere erfolgreich über die Bühne gehen. 

Es wurde schließlich eine Inszenierung, die jedem was bieten konnte: Schnulzige Liebesszenen, ein Hauptdarsteller, der Louis de Funes Konkurrenz machte, Slapstick einlagen, absurd große Walzen, herabstürzende Bilder, hinter denen der Gaststar Christopher Janus überraschend auftauchte und eine Kuh, die man zwar nicht sah aber, anhand des Spiels der Darsteller, meinte hinter den Kulissen schnauben zu hören.

Die anschließende Premierenfeier war mal wieder legendär und endete schließlich für einige erst im Morgengrauen beim Frühstück auf dem Markt. Kritik gab es an dem Abend nur für die Leitung, besonders am Budda, da dieser, im Referendariatsgedönse, vollkommen versäumt hatte Marienbildchen (vgl. Glossar) zu produzieren, um das Ensemble bei der Stange zu halten. Die Befürchtung einzelner Darsteller, dass sie zu schlecht gewesen seien, um eine solche Auszeichnung zu bekommen, konnte natürlich verneint werden und das „Marienbildchen Spezial“ wurde prompt zur nächsten Aufführung nachgeliefert.

Die zweite Aufführung glückte ohne besondere Vorkommnisse und, dass uns (wie 2012 bereits) vor den Bühneneingang geschissen wurde, geschenkt.

Die letzte Aufführung fand, gegen die Tradition, am Mittwoch statt, da der Freitag bereits durch das Schulfest „110 Jahre Hittorf“ blockiert war. Da die Truppe sich aber eine ordentliche Abschlussfeier mehr als verdient hatte, verzichtete man auf das Nachmittagsprogramm des Festes (zum Leidwesen Kiras, da Abends die Hüpfburgen bereits abgebaut waren) und nutzte den Nachmittag zum gemeinsamen Grillen und der sportlichen Ertüchtigung. Abends zog die Gruppe dann, einheitlich in purpurfarbende T-Shirts gekleidet, zum Schulfest, ließ es dort Krachen, verteilte Autogramme und genoss das Lob über die gelungenen Aufführungen. Anschließend ließ man das Jahr, mit ein wenig Melancholie und sehr viel Spaß, abermals in kleiner Runde ausklingen.

Was bleibt, sind schöne Erinnerungen an aufregende Monate mit tollen Menschen. Das Ensemble war grandios und hat die prüfungs- oder einfach alltaggestresste Leitung nach Kräften unterstützt. Ein Jahr, dass uns noch lange in guter Erinnerung bleiben wird und wenn uns die Sehnsucht mal ganz doll schmerzt, dann singen wir einfach „I wanna scream and shout and let it all out“ und hampeln lustig umher, wie es unsere Darsteller vor jeder und nach jeder Aufführung mit vollem Elan getan haben …


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